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Schwäne, Helden und Heilige: Die Burg eines Träumers

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Ludwig und der Bau des Schlosses (1'21")

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Wie kein anderer Bau zeugt Neuschwanstein von den Idealen und Sehnsüchten Ludwigs II. Das Schloss war nicht Schauplatz königlicher Repräsentation, sondern ein Ort des Rückzugs. Hier flüchtete sich Ludwig II. in eine Traumwelt – die poetische Welt des Mittelalters.

Die Bilderzyklen Neuschwansteins waren inspiriert von den Opern Richard Wagners, dem der König das Schloss widmete. Als direkte Vorlagen für die Ausgestaltung dienten jedoch nicht die Bühnenwerke Wagners, sondern jene Sagen des Mittelalters, auf die auch der Komponist zurückgegriffen hatte.

 
  Der majestätische Thronsaal.

In den Wandbildern des Schlosses werden Geschichten um Liebe, Schuld, Buße und Erlösung thematisiert. Könige und Ritter, Dichter und Liebespaare bevölkern die Räume. Drei Figuren sind von zentraler Bedeutung: der Dichter Tannhäuser, der Schwanenritter Lohengrin und dessen Vater, der Gralskönig Parzival (Parsifal). Für Ludwig waren sie Vorbilder und Seelenverwandte.

Ein anderes Leitmotiv der Ausstattung ist der Schwan. Der Schwan war das Wappentier der Grafen von Schwangau, als deren Nachfolger sich der König sah. Er ist aber zugleich das christliche Symbol der "Reinheit", nach der Ludwig strebte.

Religiöse und politische Vorstellungen spielten in die Planung der Burg hinein. Dies erkennt man vor allem im Thronsaal, der im Zuge einer Planänderung zugefügt wurde. Die Darstellungen dort zeigen, wie sich Ludwig II. ein Königtum "von Gottes Gnaden" vorstellte: als heiligen Auftrag, ausgestattet mit einer Macht, die der bayerische König nie besessen hatte.

Moderne Technik im mittelalterlichen Gewand

Das Mittelalter war in Neuschwanstein nur Illusion: Hinter dem altertümlichen Aussehen verbargen sich modernste Technik und höchster Komfort.

Die Räume des Palas, des königlichen Wohnbaus, wurden über eine Heißluft-Zentralheizung erwärmt. In allen Stockwerken stand fließendes Wasser zur Verfügung, in der Küche sogar heiß und kalt. Die Toiletten besaßen automatische Spülungen.

Über eine elektrische Rufanlage rief der König Diener und Adjutanten. Im dritten und vierten Obergeschoss gab es sogar Telefonanschlüsse.

Speisen mussten nicht mühsam die Treppen hochgetragen werden – für sie stand ein Aufzug zur Verfügung.

Schon beim Bau des Schlosses hatte man sich moderner technischer Mittel bedient. So wurden die Lastkräne mit Dampfmaschinen betrieben, und den Thronsaal errichtete man als ummantelte Stahlkonstruktion.

Eine Besonderheit Neuschwansteins sind auch die großformatigen Fensterscheiben. Die Fertigung solcher Größen war selbst zu Ludwigs II. Zeiten noch ungewöhnlich.

Kurzer Rundgang durch den Palas

 
  Waschgarnitur mit Schwan
im Schlafzimmer.

Der Rundgang durch den königlichen Wohnbau beginnt mit den Dienerzimmern im ersten Obergeschoss.

Eine Wendeltreppe an der Nordseite führt – da das zweite Obergeschoss nie über den Rohbau hinausgekommen ist – hinauf zum Vorplatz des dritten Obergeschosses. Von hier aus erreicht man durch ein Portal rechts den byzantinischen Thronsaal. Links liegt die Wohnung des Königs, die weitestgehend im romanischen Stil gehalten ist. Dort durchquert man ein Vorzimmer, um in das Speisezimmer zu gelangen. Es folgen das Schlafzimmer und die kleine Hauskapelle, beide im Stil der Gotik. Vom Ankleidezimmer aus betritt man das Wohnzimmer, das aus zwei Raumteilen besteht und der größte Raum der Wohnung ist. Überraschend ist der Effekt des nächsten Raumes, der romantischen Grotte, von der ein Wintergarten abzweigt. Das Arbeitszimmer des Königs und ein Adjutantenzimmer bilden den Abschluss des Rundgangs im dritten Obergeschoss.

Über die Wendeltreppe steigt man in das vierte Obergeschoss. Über einen Vorplatz und den so genannten Tribünengang erreicht man den größten und bedeutungsvollsten Raum des Schlosses, den Sängersaal.

Der Rundgang durch den Palas endet im Erdgeschoss in der vollständig erhaltenen Küche.


   
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